Flagge zeigen für die siegreiche Mannschaft

Kein Vergleich mit der WM 2006. Die Beziehung der Deutschen zu ihrer Nationalflagge, der Schwarz-Rot-Goldenen, ist komplex und vielschichtig.

Das NS-Regime hat das Zeigen der (damaligen) Flagge missbraucht

Die schottischen ”Brave hearts” haben das Spiel gestern Abend krachend verloren. Dennoch haben sie ihre Fahnen geschwungen und weiter ihre Lieder gesungen. Die  Schwarz-rot-golden-Fahnen der Sieger waren kaum mehr und zeitweise musste man schon ganz genau hinsehen, um zumindest ein paar Fähnchen zu finden. 

Außerhalb und innerhalb des Stadions waren auch nur vergleichsweise wenig Fans im aktuellen, rosa Nationaltrikot zu sehen (was noch verständlich ist), im Tagesbetrieb sind Autos mit schwarz-rot-goldenen Fähnchen im Vergleich zu früheren Ereignissen eine Seltenheit geworden.

Die Beziehung der Deutschen zu ihrer schwarz-rot-goldenen Nationalflagge zeigt sich komplex und vielschichtig.

Dabei können insbesondere Sportveranstaltungen wie die Fußball-Weltmeisterschaft oder -Europameisterschaft Anlass bieten, die Nationalfahne zu zeigen und nationalen Stolz zu bekunden.

Ja, man weiß, die deutsche Geschichte ist durch den Missbrauch der (damaligen) schwarz-weiß-rot Nationalflagge (die praktisch vom Hakenkreuz-Banner verdrängt wurde) durch das NS-Regime belastet. Schwarz-rot-gold, die Farben der Märzereignisse 1848 und der späteren Weimarer Republik waren verboten. Dieses Wissen hat bei vielen Menschen zu einer Zurückhaltung gegenüber dem Zeigen der Flagge geführt. Sie befürchten, dass die Flagge mit Nationalismus, Rechtsextremismus und Ausgrenzung in Verbindung gebracht werden könnte. 

Alter, geschichtliche Kenntnis und politische Überzeugung spielen eine Rolle

Umfragen zeigen, dass die Einstellung zur deutschen Flagge in der Bevölkerung gespalten ist. Die einen stehen der Flagge positiv gegenüber und sehen sie als ein Symbol für Demokratie, Freiheit und die Errungenschaften der Bundesrepublik. Andere betrachten die Flagge mit Skepsis oder sogar Ablehnung.

Viele Deutsche haben also ein zwiespältiges Verhältnis zu ihrer Nationalflagge. 

Die Flagge ist zwar ein wichtiges Symbol für die nationale Identität – zumindest sieht man das in anderen Ländern der Welt so, aber in Deutschland ist ihre Bedeutung durch Erinnerungen an den Nationalsozialismus und die damit verbundenen Gräueltaten belastet. Der Nationalismus ist in Deutschland deshalb eine sensible Thematik, was sich im Flaggengebrauch auswirkt. 

Wenn man den Flaggengebrauch seit der WM 2006 bis heute vergleicht, dann bleibt Skepsis, wie sich die Einstellung der Deutschen zu ihrer Nationalflagge in Zukunft weiterentwickeln wird. Die individuelle Einstellung wird offenkundig durch verschiedene Faktoren wie Alter, geschichtliche (Un-)Kenntnis und politische Überzeugung beeinflusst. 

Geschrieben: -mdw; veröffentlicht: 15.06.24; Bilder v. webzet (Titelbild ist i.d.R. Symbolfoto);

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6 Gedanken zu “Flagge zeigen für die siegreiche Mannschaft

  1. Es gibt zahlreiche unauthorisierte (!) Regierungsbeteiligte, die offen bekennen, mit Deutschland nix anfangen zu können und trotzdem ihre sektenhafte Ideologie verbreiten.

    Für diese Leute schämt man sich im internationalen Austausch!

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    1. Oh doch, diese “jungen Bunten” lesen WebZet. Und als studierter Historiker kann ich Ihnen sagen, die haben auch keinen Nachholbedarf, denn im Gegensatz zu den 50er bis 80er Jahren hatten wir einen Geschichtsunterricht, der den Nationalsozialismus miteingeschlossen hat.
      Wenn man sieht, wie (zumindest hier in Weimar) montäglich die Halbnazis mit Deutschlandflaggen geschmückt durch die Straßen ziehen ist es verständlich, dass man sich nicht mit einem Symbol ziert, dass von Rechtsextremen als Ersatz für verbotene Symbole missbraucht wird.
      Nicht die Nationalflagge ist das Problem, sondern wer sie trägt.

      Annex: Wenn die WebZet hier die Märzereignisse zitiert, wäre es dann nicht an der Zeit, den 18. März in seiner Bedeutung hervorzuheben statt Tage wie den nichtssagenden 03.10?

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      1. Eingangs: Herzlichsten Glückwunsch zum Studium der Geschichte, vielleicht sogar für Lehramt, war sicher total schwer, also falls Sie es abgeschlossen haben. Sowas findet man in den Parteispitzen der Rot-Grünen ja gar nedd so oft. Ich bin mir sicher Trampolena kennt auch das Wort “Annex” nedd, damit sind Sie latürnich sofort legitimiert als Expert%$In.

        Ich beglückwünsche Sie ebenfalls zu Ihrer der neuesten Mode entsprechenden Rechtsauffassung, die Sie mit dem medialen Mainstream und auch unserer Regierung teilen. Es kommt nicht mehr auf den Tatbestand an sich an, sondern auf den Täter und das Opfer. Je nach Konstellation dieser beiden Faktoren wird reagiert oder auch nicht. Aber Sie wissen schon, dass Sie und andere mit dieser Ansicht außerhalb des Grundgesetzes stehen? Im nationalen und realexitierenden Sozialismus war das ok, aber jetzt sind die Regeln andere.

        Zum Thema Flagge: Die Flagge zu zeigen ist ein Ausdruck des Patriotismus also der Verbundenheit und ggf. Liebe zum Heimat- oder Vaterland. Diese muss man nicht haben, jedoch ist sie zu erwarten bei Personen, die freiwillig ein Land vertreten und/oder für dieses eintreten. Sei es qua Wahl oder Beruf (Diplomaten, Soldaten z.B.). Von sonstigen staatlich Alimentierten sei zumindest Loyalität und absolute Verfassungstreue gefordert. Die Ablehnung der Flagge als Symbol dieser Verbundenheit ist eine vielsagende Geste. Merkel hat sie fast weggeworfen, Fancy schnürt pastöse Oberarme lieber mit Regenbogentourniquette ein, vorzugsweise zur diplomatischen Provokation und Wähler%&Innenfang denn aus Zugehörigkeit zu einer dieser Gruppen.

        Zur Begriffsklärung: Bitte definieren Sie doch als “Fachkraft” mal den “Nazi” oder “Halbnazi” und erstellen Sie eine kritische Würdigung und Differenzierung zum historischen Nationalsozialismus vor allem im Hinblick auf die von Ihnen oben gezogenen Parallelen.

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        1. Lieber Bergradfahrer,
          einmal muss man klarstellen, dass sich auch unter den Parteispitzen der von Ihnen abgelehnten Parteien sehr gebildete Personen befinden. Die Grünen bspw. auf Ricarda Lang zu reduzieren kommt der Sache nicht gerecht.
          Anyway, wenn Sie nun über Patriotismus diskutieren wollen, machen Sie ein ganz anderes Fass auf, denn es gibt einen Unterschied zwischen dem Stolz auf ein Land, wobei dem man nichts dazu beigetragen hat, hier zu sein und dem Glücksempfinden in einem Land zu leben, in dem viele Dinge besser sind als anderswo. Stolz kann ich auf Dinge sein, die ich selbst zu verantworten habe. Dass ich Deutscher bin, da kann ich nichts für.
          Nur, weil ich die Flagge nicht am Auto trage oder mir ins Fenster hänge, heißt das ja nicht, dass ich sie ablehne. Natürlich wäre es schön, wenn sie als Zeichen der Demokratie und der Freiheit, die dieses Land errungen hat stehen könnte. Es ist aber in der Realität so, dass dieses Zeichen politisch okkupiert wurde und damit eine falsche Symbolik ausdrückt. 2006 gab es in Deutschland noch keine so große Partei, die sich dieser Farben missbräuchlich bedient hat. Jetzt schon und das muss ich in meiner Entscheidung berücksichtigen.

          Dass Sie Fachkraft in Anführungszeichen setzen, fasse ich als Beleidigung auf, Lieber “Bergradfahrer”.
          Da wir hier aber nicht Auge um Auge spielen, möchte ich Ihrem Wunsch nach Definition aber trotzdem nachkommen.
          Es macht einen Unterschied, ob ich wissenschaftliche Texte verfasse, in denen ich meine Begriffe korrekt definiert verwende – und natürlich nicht von Halbnazis sprechen kann – oder ob ich einen politischen Kommentar verfasse, der darauf ausgelegt ist, überspitzt zu sein und zu polarisieren. Offensichtlich können Sie mit dem Begriff sogar etwas anfangen.
          Als Nazis können Anhänger und Protagonisten eines nationalsozialistisch orientierten Regimes bezeichnet werden. Dabei ist es ganz gleich, ob diese Anhängerschaft in der Gegenwart stattfindet oder nicht. In der Regel bezieht sich diese Begriffsverwendung in Deutschland auf Personen, die durch Äußerungen, Verhalten oder Zeichenverwendung einen Teil oder alle Taten, die das Nationalsozialistische Regime von anderen Regierungsformen unterschieden hat (Faschismus, ethnische Trennung des Volks, Überhöhung der eigenen Ethnie über andere, Totalitarismus zur Durchsetzung dieser Meinungen etc.), gutheißen oder legitimieren.

          In den letzten Jahren sind immer wieder Äußerungen bekannter Politiker aufgefallen, die oben beschriebenes Verhalten selbst an den Tag legen oder Legitimieren. Diese Meinungen werden seit Jahren auf die Straße und Medien getragen und dort wiederholt. Meist aber nicht, weil sie aus tiefer persönlicher Überzeugung Höcke und Co. gutheißen, sondern weil sie durch Wiederholung des Gesagten Aufmerksamkeit erhoffen. Sie stehen also nicht für den Nationalsozialismus, sondern bedienen sich seiner Mittel, um die Aufmerksamkeit auf die eigenen Probleme zu lenken. Für Personen, die dieses Verhalten an den Tag legen habe ich den Ausdruck Halbnazis benutzt.
          Den Rest Ihrer “Aufgabe”, können Sie selbst erledigen. Ich bin nämlich nicht ihre Schüler.

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