Kosten sprengen völlig den Rahmen

Im Zuge einer ÖPNV-Offensive wollte der Landkreis Bamberg heuer ein neues Nahverkehrskonzept einführen. Die Umsetzung gestaltete sich schwierig. Nun ist das Vorhaben definitiv gescheitert.

Ausschreibungsergebnisse fliegen bei einem Vielfachen der kalkulierten Ausgaben 

Wie so oft, sind die Wünsche und Pläne das eine, die Umsetzung (Realität) das andere. Im Konzept erschienen die neuen ÖPNV-Fahrpläne für den Landkreis großartig, fast revolutionär. Doch die Frage, wie die Umsetzung erfolgen kann, blieb offen. Schließlich scheiterte die Idee an den Kosten. 

Der Bamberger Kreistag hob die Ausschreibung für die geplanten Busverkehre im Landkreis auf. Laut einer Pressemitteilung des Landratsamtes ist die Enttäuschung bei den Mitgliedern des Kreistages groß. Ziel war es, ab August 2024 für die Bevölkerung einen deutlich verbesserten ÖPNV zu schaffen. Insbesondere für den ländlichen Raum ist der ÖPNV von größter Bedeutung. Mit der nahezu auf vier Mio verdoppelten Zahl der Linienbuskilometer sollte eine wesentlich bessere Taktung erreicht werden. Die Verkehrsverbindungen sollten optimiert und die Stadt-Umland-Verkehre aufeinander abgestimmt werden.

Jetzt hat der Kreistag des Landkreises Bamberg einstimmig die Ausschreibung für die geplanten Busverkehre aufgehoben. Grund hierfür sind die Ausschreibungsergebnisse für den Betrieb der sechs Linienbündel, die bei einem Vielfachen der kalkulierten Ausgaben liegen. Zudem würden sich mit den Angebotspreisen der Ausschreibung die Kosten für die Busverkehre pro Jahr auf 72 Mio € summieren. Aktuell wendet der Landkreis rund zwei Mio € für die bisherigen Angebote im ÖPNV auf.

Veränderungen im Marktumfeld der Mobilität haben die Ambitionen zunichte gemacht

»Unser Landkreis war bereit, deutlich mehr Geld in die Hand zu nehmen. Die gravierenden Veränderungen im Marktumfeld der Mobilität – insbesondere Antriebsformen und die Streichung von Fördermitteln – und die daraus entstehende Unsicherheit haben unsere großen Ambitionen zunichte gemacht«, so Landrat Johann Kalb. In etlichen Sitzungen der Kreistagsgremien hatte man fast ausnahmslos einstimmig ein Konzept erarbeitet, mit dem die Verkehrsleistung der Linienbusse auf rund vier Mio Kilometer erweitert werden sollte.   

Ein weiterer wesentlicher Grund für die Kostenexplosion ist, dass die Bahn für den ICE-Ausbau in Bamberg bis 2035 auf Schienenersatzverkehr angewiesen ist und den Unternehmen nach deren Bekunden dafür über den gesamten Ausschreibungszeitraum – ohne Fahrzeugvorgaben – attraktive Konditionen bietet. Deutlich zugespitzt hat sich auch der Mangel an Busfahrern. Weil während der Ausschreibung Fördermittel gestrichen wurden, müssen die Grundlagen für die Angebotsermittlung überarbeitet werden. Nicht zuletzt hat das “Saubere-Fahrzeuge-Beschaffungsgesetz” hohe Anforderungen an die einzusetzenden Busse gestellt. Landrat Johann Kalb: »All das hat dazu geführt, dass die Angebote für die geplanten Busverkehre den Kostenrahmen komplett gesprengt haben.«

Das ÖPNV-Konzept wird nun überarbeitet und die bisherigen Busverkehre per Übergangsvergabe für zunächst rund vier Jahre fortgeführt.

Geschrieben: PSt.LrA Bbg-mdw; veröffentlicht: 3.02.24; Bilder v. webzet (Titelbild ist i.d.R. Symbolfoto); BildNw: WebZ

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3 Gedanken zu “Kosten sprengen völlig den Rahmen

  1. Daß das Ganze scheitern mußte war doch von vornherein abzusehen. Eine Erweiterung des ÖPNVs ist ja schön und gut, aber daß da nur noch Elektro- bzw. H2-Busse eingesetzt werden sollen, muß ja, neben der nicht vorhandenen Infrastruktur, an den Kosten scheitern.
    Jetzt jammern alle Initiatoren herum, weil sich niemand auf ihr verlustreiches Spiel bewerben will.
    Hätte man genug Busfahrer und würde man ältere Diesel-Busse einsetzen, würde alles funktionieren. Aber die grüne Traumwelt wird halt nie Realität!

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  2. “Saubere-Fahrzeuge-Beschaffungsgesetz”! Dieses Land ist ein Irrenhaus geworden.
    Lieber fahren wir mit vielen Autos oder gar nicht als mit “bösen” Bussen.
    Ach, wenn man einen diagnostischen Blick auf diese Land und seine führenden und mitlaufenden Leute wirft, dann möchte man schon a weng Antipsychotika ins Trinkwasser geben. Oder in die Hafer- und Mandelmilch, das wäre zielgruppenspezifischer. 😉

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