»Enormer Bedarf« bereits ab 2026

Das Thema nähert sich der realen Problemzone: Wie steht es in Bamberg mit den Angeboten ganztägiger Bildung und Betreuung? Die Bedarfsprognosen für einzelne Schulstandorte sind teils erschreckend.

Erweiterungs-/Umbaumaßnahmen in den Schulhäusern notwendig

Der Kultursenat hat eine Bedarfsprognose hinsichtlich der Angebote ganztägiger Bildung und Betreuung der einzelnen Schulstandorte gewünscht. Diese Daten sind wichtig, um die Planung in den Schulhäusern, insbesondere notwendige Erweiterungs-/Umbaumaßnahmen durch das Immobilienmanagement, voranzutreiben.

In der Senatssitzung am 1.2.14 wurden die aktuell gültigen Prognosen anhand einer Powerpoint-Präsentation vorgestellt. Der Sachverhalt wurde wesentlich von Juliane Renninger vom “Bildungsbüro und Bildungsmanagement” vorgetragen. Im aktuellen Stadthaushalt seien Mittel für die Auszahlung kommunaler Zuschüsse für die Träger der Mittagsbetreuungen in Höhe von 180.000€ eingestellt.

Klassenräume sollen multifunktional genutzt werden 

Als eine besondere Maßnahme und möglicher Knackpunkt wurde die Absicht dargelegt, Räume in den Grundschulen zur “multifunktional” zu nutzen. Laut dem Sitzungsvortrag sollen “Grundschulen  schrittweise mit multifunktionalem Mobiliar ausgestattet werden, so dass eine mehrfache Nutzung von Klassen- und Unterrichtsräumen in allen Grundschulen Standard wird.” An der Kunigundenschule ist seit dem Schuljahr 2020/21 bereits ein Zimmer mit multifunktionalem Mobiliar ausgestattet. Die Räume sollen durch “ergonomisch durchdachte und vielseitig verwendbare Möbelstücke und abschließbare Schränke flexibel nutzbar sein:  Am Vormittag für den Schulbetrieb, am Nachmittag für die Mittagsbetreuung, Fortbildungen und Konferenzen und am Abend auch für Elternabende oder Kurse.”

In der Aussprache des Senats wurde die Absicht der multifunktionalen Nutzung teilweise kritisch gesehen, aber die Gründe dafür wenig konkretisiert. Große Unzufriedenheit weckten die  Zahlen der Prognosen. Bereits ab 2026 gebe es »enormen Bedarf« (StR Stefan Kuhn, CSU); bis 2035 müsse mit einem »Mangel von 500 Plätzen« (StR Wolfgang Grader, Grüne) gerechnet werden. Die Zahlen »sind erschreckend, die Not ist überall bekannt« (StRin Ingeborg Eichhorn, SPD). 

Es wird zwar von “Angeboten ganztägiger Bildung und Betreuung” gesprochen, es handelt sich aber wesentlich nur um Betreuungsangebote. Das Konzept der Stadt Bamberg ist meilenweit von dem Gedanken “Ganztagsschule” entfernt. Nur bei diesem steht der Bildungsvorteil im Vordergrund.

Geschrieben: -mdw; veröffentlicht: 4.02.24; Bilder v. webzet (Titelbild ist i.d.R. Symbolfoto); BildNw: WebZ

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6 Gedanken zu “»Enormer Bedarf« bereits ab 2026

  1. Lieber Bergradfahrer, Sie hauen etwas zu gewaltig auf den Koffer. In unserer Zeit will man solche Einrichtungen und sie werden auch gebraucht. Das Problem sehe ich darin, dass von der Stadt große Versprechungen gemacht werden, die nicht eingehalten werden können. Weder räumlich noch personell können die Wünsche in der gesetzten Zeit erfüllt werden.

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  2. Ich dürfte hier auf eine gewisse Zustimmung stoßen, wenn ich die Frage stelle, warum sich diese Lendenjunkies nicht gefälligst selbst um ihren Nachwuchs kümmern. Diese Fragestellung impliziert nämlich genau das Familienbild, das sich Mancher herbeisehnt.

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  3. Mal eine nachdenkliche Grundsatzfrage:
    Was sagt das über uns als Gesellschaft und/oder mich als Elternteil aus, wenn ich immer mehr ganztägige Betreuung von Kindern staatlicherseits will und brauche?

    Wieso schaffe ich mir Kinder an, wenn ich keine Zeit habe, wenn mir die logistisch-soziale Infrastruktur fehlt? Mir scheint, wir überlegen uns die “Anschaffung “eines Hundes besser als die eines Kindes. Weil für den Hund gibt es keinen HuTa-Platz, mit dem spielt kein staalich alimentierter Hundetrainer, während die Eltern immer länger und immer mehr im vormals privaten Bereich ihrer Arbeit nachgehen. Bei einem Hund hätten wir auch wohl mehr Sorgen, ob dem der Hundetrainer auch das Richtige beibringt.
    Was bedeutet das, wenn ich meine Kinder den Großteil ihrer wachen Zeit vom “Staat” “erziehen” lasse?
    Ist dann nicht vielleicht ein Internat besser, weil dann brauche ich keine extra Zimmer für die Kinder?
    Damit wären wir auch mobiler und flexibler, das wird ja gewünscht.
    Oder nehme ich doch lieber noch eine Patenschaft in einem Entwicklungsland, weil die machen die Aufzucht noch artgerecht und selbst?

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    1. Man kann halt (außer man leistungsloses Einkommen in Form einer Erbschaft bekommen) in dieser Stadt (wie in den meisten anderen) mit einer Familie nur mit zwei Einkommen leben, Boomer.

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      1. Danke für Ihre tiefschürfende Argumentation, wenngleich die Anrede am Ende sowohl jeglicher Höflichkeit als auch Evidenz entbehrt.
        Ich habe weder Ihnen noch dem @PeterS die Reproduktion und auch nicht das strategische Abgeben der Früchte Ihrer Lenden untersagen wollen. Ich habe lediglich das getan, was in diesem Land zunehmend unterdrückt wird, nämlich Dinge kritisch hinterfragt.
        Denken jenseits der vorgegebenen Pfade ist ja inzwischen vollkommen aus der Mode. Da wundert man sich noch, wenn 60% sagen, man habe das Gefühl, man könne seine Meinung nicht mehr frei äußern in diesem besten Deutschland aller Zeiten. (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1067107/umfrage/umfrage-zur-meinungsaeusserung-in-deutschland/) 2022 kommt der MDR sogar 80%, die sagen, dass gewisse Meinungen tabuisiert sind. Aber das sind ja ohnehin alles Nazis im Osten, gell?

        Die Frage ist unangenehm, schmerzhaft und für Sie beide richtig böse: Aber mal im Ernst, wozu schaffe ich mir ein Kind an, wenn ich es nur wenige Stunden am Tag “nutze”? Ist das rein narzisstische Freude an der Reproduktion des eigenen Erbguts? Oder haben wir wieder ein sich stumpfsinnig reproduzierendes Proletariat, das gar nicht anders kann und weiß, als sich dem Diktat zu schlecht bezahlter abhängiger Arbeit zu unterwerfen?

        Die “boomer”-muhenden Millenials et al. wissen das nicht, aber “früher” (70er und 80er) konnte man tatsächlich alleine eine Familie ernähren, auch ein Hilfsarbeiter. Im besten Deutschland aller Zeiten müssen beide Elternteile schuften, wenn sie nicht am Limit leben wollen. Merkt keiner, dass da was schief läuft?
        Damals gab es auch keine Milliardäre in Deutschland. Jetzt auf einmal so viele. Aber jetzt ist ja alles besser, und wer das hinterfragt ist “von gestern” und “rechts”.

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      2. wer sich den aufenthalt hier nicht leisten kann, sollte hieraus die konsequenzen ziehen, nicht dass die stadt zu einem proletariat verkommt. umzug ???

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