Wenn die Kosten nicht wären …

Das Theater soll sich in größerem Umfang für die freie Kultur öffnen. Ein entsprechender Antrag wurde in einer Bürgerversammlung gestellt und beschlossen. Heute beschäftigt sich der Kultursenat damit.

“Kosten werden im nächsten städtischen Haushalt bereitgestellt”

In Bürgerversammlungen nach Art. 18 GO werden oft viele Anträge gestellt, die meist auch breite Zustimmung erhalten. Diese Anträge müssen im Stadtrat behandelt werden und erst dann kommt es zu einem verbindlichen Beschluss. 

In einem Antrag aus der Bürgerversammlung am 12.06.2024 (Bug) heißt es:

“Die Stadt Bamberg und das E.T.A. Hoffmann Theater öffnen sich weiterhin für freie Theater-, Performance- und Tanzgruppen im Rahmen des Projekts E.T.A. OFF*. Etwaige zusätzliche Kosten werden im nächsten städtischen Haushalt für das Budget des Theaters bereitgestellt”, konstatiert der Antragsteller in seinem Antrag.

Er begründet sein Ansinnen damit, dass “es an Auftrittsmöglichkeiten und Räumen für freie darstellenden Künste in Bamberg fehlt. Mit dem E.T.A. Hoffmann Theater gibt es Räumlichkeiten, die für oben genannte Gruppen gut nutzbar sind. Natürlich verursachen Auftritte und Proben dort Kosten. Diese sollen über eine Anhebung des Theaterbudgets kompensiert werden und so die vielfältige, teilweise hochprofessionelle und ausgezeichnete freie Kultur in Bamberg gefördert werden.”

In der vergangenen Saison konnten die Kosten nicht kompensiert werden

Laut des Verwaltungsvortrags für die Sitzung des Kultursenats heute (11.7.24) wurden in der laufenden Saison auf Initiative des Theaters zwei Zeiträume in der Spielplandisposition für Auftritte der freien Kunstszene eingeplant. Dazu lud Frau Intendantin Sibylle Broll-Pape bereits anfangs 2023 Vertreter/innen der freien Szene zu Gesprächen ein. Eine Einbindung in den Spielbetrieb im Theater ist nur bei sehr frühzeitiger Planung möglich, da der Spielplan bereits mit Beginn der Vorsaison für die darauffolgende Saison erstellt wird. Die Planung für die kommende Saison ist somit bereits abgeschlossen und der gesamte Spielplan ist fest terminiert. Neben freien Terminen muss auch immer die vorhandene Personalkapazität ausreichend sein, um zusätzliche Veranstaltungen betreuen zu können. Dies ist in der kommenden Saison leider nicht möglich. 

ETA-Hoffmann-Theater Bamberg.

Inwieweit dies ab der Saison 25/26 möglich sein könnte, wird die neue Theaterleitung in ihre Planungen und Überlegungen für die Spielzeit 25/26 einfließen lassen. Die Bereitstellung von Räumlichkeiten und Personal zur Betreuung von Vorstellungen der freien Szene verursacht Kosten für das Theater, die durch Mieteinahmen inklusive Personalkostenersatz oder einer angemessenen Einnahmenbeteiligung bei Vorstellungen der freien Kulturszene ausgeglichen werden müssten. 

In der vergangenen Saison 23/24 konnten die Kosten für E.T.A. OFF durch die vertraglich vereinbarte Einnahmenteilung leider nicht kompensiert werden. Die entstandenen Kosten deckte das E.T.A. Hoffmann-Theater aus dem laufenden Haushalt ab. Auch aufgrund der äußerst angespannten Haushaltslage hat man sich entschlossen, E.T.A. OFF in der Saison 24/25 daher nicht fortzusetzen. Das E.T.A. Hoffmann-Theater steht einer Zusammenarbeit mit der freien Kunstszene grundsätzlich positiv gegenüber.

Der Beschlussvorschlag für den Senat lautet: “Das ETA Hoffmann Theater prüft für die Saison 25/26, ob für die freie Kulturszene räumliche Kapazitäten, Kooperationen oder Auftrittsmöglichkeiten ohne Einschränkung des eigenen Spiel-, Proben und Werkstattbetriebes geschaffen werden können. Etwaige zusätzliche Kosten werden in den Haushaltsanmeldungen berücksichtigt.” Einstimmig beschlossen.

* In ETA OFF wird der Freien Szene Bambergs während der Spielzeit das Studio zur Verfügung gestellt.

Geschrieben: -mdw; veröffentlicht: 11.07.24; Bilder v. webzet (Titelbild ist i.d.R. Symbolfoto); BildNw:

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4 Gedanken zu “Wenn die Kosten nicht wären …

  1. Die Finanzierung der Infrastruktur und des Personals dafür wäre unter der Bedingung ,dass man das stehende Ensemble auflöst durchaus möglich. Und genau das ist im Hinblick auf die Häuser in Coburg, Nürnberg und Meiningen die sinnvolle Maßnahme. Damit hätten die kleinen Bühnen hier die Chance sich ggf. zu beweisen und zu wachsen. Ich gehe davon aus, dass am Ende im Theater mehr los wäre als jetzt zu geringeren Kosten.

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    1. Das bestehende Ensemble aufzulösen und das Haus dafür den freien Theatermachern zu überlassen ist eine gewagte These. Der Stadt könnte das vielleicht etwas billiger kommen, aber ob das nötige Publikum für die oft sehr modernen Darbietungen der Freien gewonnen werden kann, das wage ich zu bezweifeln. Letztlich, so glaube ich, würde die Stadt in vielfältiger Weise draufzahlen müssen – und hätte kein klassisches Theater mehr.

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      1. “Klassisches Theater” wird in Bamberg schon lange nimmer gespielt, schauen Sie mal auf den Spielplan. Eher obskure Stücke und eigenwillige, eigene Adaptationen klassischer Stoffe mit recht überschaubarem Erfolg. Nichts was Spaß macht oder unterhält.

        Ein städtisches Theater kann halt nun mal nicht gegen die Staatstheater und das Landestheater in der Nähe anstinken. In einer Stunde ist man in Meiningen und hat zu günstigem Preis in einem tollen Haus Inszenierungen, die auch Nürnberg, das sich inzwischen in formalistischer correctness/wokeness verloren hat, in Handwerk, Kreativität und Spielfreude weit übertreffen. (Die wokeste und furchtbarste Fledermaus aller Zeiten zum Beispiel).
        Coburg hat mit dem Globe ein tolle Akustik für Musiktheater geschaffen, und auch das Schauspiel ist um Klassen besser als hier.

        Die Inszenierungen des TiG oder TaM sind wesentlich verständlicher und unterhaltsamer als alles, was die städtische Bühne seit Jahrzehnten auf die Beine gestellt hat. Das affektierte Getue unterklassiger Regisseure und Intendanten kompensiert nicht Talent! Seltsame Namen, die offensichtlich Einstellungskriterium sind, auch nicht. 😉

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