Ein Beispiel des Schweigens

Von der Mediengruppe Oberfranken (MGO) gibt es keine Erklärung über tiefgreifende Änderungen im Betrieb und beim Personal. Es ist lediglich zu erfahren, dass man sich mit modernen Arbeitsmethoden befasse.

Bei Brose oder Bosch würde die Presse den Vorgang sofort aufgreifen 

Die WebZ bekommt weiterhin Informationen über die Neuaufstellung des Bamberger FT, der zur Mediengruppe Oberfranken gehört. So sollen außer den drei bereits im ersten Artikel genannten Mitarbeitern u.a. auch Leute aus der Sportredaktion oder anderen Lokalredaktionen betroffen sein. Darunter vor allem Redakteure, die schon lange dabei sein sollen, also mit vielen Jahren Betriebszugehörigkeit. Wer von diesen sich nicht für die neue Redaktions GmbH “bewerben” wolle, sondern in der alten GmbH verbleiben will, soll freigestellt worden sein. Das soll auch bisherige Betriebsräte betreffen.

Informationsgeber meinen dazu: Wenn zB. Brose oder Bosch in ähnlicher Weise wie die MGO vorgehen würden, dann hätte die Presse diesen Vorgang aufgegriffen und als schlimme neoliberale Vorgehensweise kritisiert. Da es aber die MGO selbst ist, findet alles unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Leser/innen haben über die Jahre die Redakteure kennengelernt

Der/die Insider/in stellt schließlich die Frage, was an Kompetenz noch übrig bleibt, wenn sich das noch wichtigste Medium in Bamberg so aufstellt wie geschehen. Derzeit finde ein gigantischer Brain-Drain (= Abfluss von Wissen und Fähigkeiten) statt, weil gerade die besten Schreiber und bekanntesten Berichterstatter vom Sport  bis in die Außenredaktionen die Zumutungen in der neuen  GmbH nicht hinnehmen und aufs Abstellgleis gestellt werden (was auch als Vorstufe für Entlassungen interpretiert werden kann). Es stelle sich die Frage, ob diese Vorgehensweise nicht auch der Versuch sei, die Personalvertretung durch dieses neoliberale Handeln zu entmachten.

Andere große Betriebe erklären Strukturveränderungen. Bei einer Zeitung haben über die Jahre hinweg die Kunden/innen bzw. Leser/innen auch die Redakteure bzw. Reporter kennengelernt. Es gibt Wertschätzung oder bisweilen das Gegenteil davon. Es besteht also ein berechtigtes Interesse zu erfahren, ob und warum ein/e lang bekannte/r FT-Mitarbeiter/in aufs Abstellgleis geschoben oder gar entlassen wird. 

Eine Verlautbarung wäre angebracht.

Geschrieben: -mdw; veröffentlicht: 26.01.24; Bilder v. webzet (Titelbild ist i.d.R. Symbolfoto); BildNw.

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8 Gedanken zu “Ein Beispiel des Schweigens

  1. Es wird Zeit zu einem Boykott des Fts, sei es in Print oder Digital, aufzurufen! Je mehr mitmachen, desto mehr kann man ev. auf Einsicht dieser hoffen.

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    1. Das ist doch jetzt etwas weit hergeholt für meinen Geschmack, hier von “Boykott” zu sprechen. Der ft ist und bleibt ein Käsblatt. Einfach nicht kaufen, da Informationsgehalt = NULL. Die Zeiten ändern sich. Das ist aber leider nicht eine Entwicklung die nur dem ft zuzuschreiben ist, sondern allen kleineren Gazetten und Lokalredaktionen widerfahren ist und noch wird (es war mal facebook, dann telegramm, sodann X und jetzt eben BlueSky und was an GPT-Engines noch kommen wird). Ich lese ja auch nur noch online – wie eben die WebZet, ohne die ich viel von den Mauscheleien in Bamberg nicht immer direkt mitbekommen würde, wenn man nicht täglich am Rondo oder im Schlenkerla verkehrt.

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  2. @webzet: Habt ihr ggf. Informationen wie signifikant die Veränderungen für die Mitarbeiter durch den Wechsel von der alten in die neue Redaktions-GmbH sind (zB durch Gehaltseinbußen, Entkoppelungen von Tarifverträgen, geringere Sozialleistungen, Verlust bisheriger Leistungen etc.)?

    WebZ: Nein, die wenigen sind nicht überprüfbar und können deshalb auch nicht veröffentlicht werden.

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  3. Mein Gott, so läuft das halt im Berufsleben. Die Leute gehen. Egal ob sie jetzt Jahrzehnte oder nur wenige Monate dabei gewesen sind. In der Regel geschieht das nun mal sang- und klanglos.

    Der Dampfer fährt weiter.

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  4. Tja, so ist das halt, wenn man sich selbst redundant macht, indem man über mittlerweile fast neun Jahre einstimmig das gleiche Lied singt, das angestimmt von Berlin vorgegeben wird. Die Medienlandschaft hat sich durch die wohlgemerkt freiwillige Gleichschaltung des Haltungsjournalismus noch schneller verändert, als sie es durch die Dominanz digitaler Medien eh getan hätte.
    Ein eigener, sich vom Rest signifikant unterscheidender Inhalt ist bei vielen Zeitungen und Magazinen nicht mehr vorhanden. In den politischen Kommentaren und sonstigen haltungsjournalistischen Ergüssen dieser Blättter finden sich z.B. in Bayern 70% der Wähler nicht mehr wieder, ganz im Gegenteil, sie werden dort angegriffen und diffamiert. (https://dawum.de/Bayern/)
    Sollte ich wider Erwarten mal Bock auf Errniedrigung und Beschimpfung habe, dann engagiere ich zu diesem Zwecke eine gut gebaute Ledermaid, aber ich kaufe dafür keine Zeitung.
    Freunde der schreibenden Zunft, ihr seid, vor allem moralisch, hoch geflogen im Aufwind des Zeitgeists, jetzt löst sich das Wachs der angepappten Flügel. Wie es halt so einem Ikarus geht, dem sein Tun zu Kopf steigt.

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    1. *gääääähn*
      Kein konkretes Wort zum eigentlich zur Debatte stehenden Sachverhalt beim Bamberger FT. Statt dessen wieder einmal die ewig gleiche Leier von der angeblich “gleichgeschalteten” (und das auch noch freiwillig – was ja schon ein Widerspruch in sich ist) Medienlandschaft. Ein Blick in den Zeitungsladen zeigt: Diese Landschaft reicht von der “Jungen Freiheit” über die BLÖD und die FAZ bis hin zu SZ, ZEIT, TAZ und ND. Überall dieselben Inhalte? Ich lach’ mich schlapp.
      Dazu kommen die schier unendlichen Inhalte im Internet, als Blog, Website, Podcast oder YT-Kanal. Mit etwas Zeit- und wenig Finanzaufwand kann man heutzutage sogar so etwas wie die WebZet lancieren. Im Grunde hat das Internet die “Utopie” von Bert Brecht realisiert, den Rundfunk zu einem Kommunikationsapparat zu machen, in dem jeder Sender und Empfänger gleichzeitig sein kann (das war Ende der 20er Jahre, und Brecht würde sicher im Grab rotieren, wenn er mitbekommen könnte, WIE sich das heute darstellt…).
      Noch etwas zum FT: Nach meinen Informationen wurden den Redaktionsmitgliedern beim “Umstieg” in die neuen GmBH Verträge zu deutlich geringeren Bezügen angeboten. Was gerade die älteren, schon etablierten Mitarbeiter nicht annehmen wollten. M.a.W.: Es geht hier – leider – nicht um Journalismus oder Inhalte, sondern um knallharte Realisierung möglichst hoher Profitabilität. Kapitalismus in Reinkultur, was sonst.

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      1. Doch die Selbstabschaffung der Journalistengilde hat sehr wohl was mit dem FT zu tun. Würden noch hinreichend Leute das interessant finden was die so schreiben, würde es zu Gewinnerzielungszwecken keine derartig unmoralischen Winkelzüge seitens des Verlags brauchen. Vor allem wären die Schreiberlinge andernorts begehrt und der Arbeitgeber weniger frech.
        Das Spektrum der Zeitungen am Kiosk, das sie aufzählen, mag breit erscheinen, aber der sogenannte Mainstream ist weitestgehend identisch. Die Ausreißer links und rechts werden eh nicht wahrgenommen. Ist die “Junge Freiheit” wirklich was dieser Tage als rechtsextrem gilt? Rechtspopulistisch doch wohl eher. Früher gab es mal die Nationalzeitung, die war rechtsextrem. Bei deren Lektüre konnte man genauso viel lachen wie bei der “Radikal”.

        Die auflagenstärksten Blätter und reichweitenstärksten Sender kommunizieren derzeit an der absoluten Mehrheit der Wähler komplett vorbei, da beißt die Maus keinen Faden ab. Und darum sind sie in Schräglage. Verdient haben sie es.

        Klar versucht auch die MGO noch a weng Geld rauszuholen, wenngleich auf unethische Weise. Den Verlagen steht das Wasser bis zum Hals. Ich bekomme alle paar Tage sowohl von SPIEGEL als auch ZEIT Bettelmails, man möge doch vier Wochen kostenlos lesen (ZEIT) oder für fünf Euro (SPIEGEL). Es ist sogar so, dass die keinen Adressabgleich fahren und man im Grunde bis zum Sanktnimmerleinstag die Blätter schnorren könnte, aber ich hab halt leider keinen Kamin. 😉

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