„Mein Gott ist mein Smartphone“

In seinem ersten Hirtenbrief ruft der neue Erzbischof Herwig Gössl die Gläubigen zum Gebet auf. Gott sei weitgehend aus dem Leben vieler Menschen verschwunden und werde auch nicht vermisst.

Alles steht und fällt mit dem Gebet

Albrecht Dürer, Betende Hände, Zeichnung (Studie 1508)

Für viele Menschen gelte heute das Bekenntnis: „Mein Gott ist mein Smartphone.“ Viel Zeit, Geld und Energie werde für digitale Kommunikationsmittel aufgewendet. Dies werfe die Frage auf: „Wie kann Gott wieder dorthin rücken, wo er hingehört, nämlich in die Mitte unseres Lebens?“ Der Erzbischof fügt hinzu: „Eine Menschheit ohne Gott ist nichts anderes als die Hölle auf Erden.“

Alles stehe und falle mit dem Gebet, betonte Gössl. „Nichts ist so faszinierend, wie die Gemeinschaft betender Menschen zu erleben, darin einzutauchen und zu spüren, wie man mitgetragen wird“, schreibt der neue Oberhirte in dem Brief, der am Sonntag und in den Vorabendgottesdiensten verlesen wurde. Die Gegenwart Gottes werde erfahrbar im Raum des Gebets. Daher sei es wichtig, solche Räume zu öffnen, Menschen einzuladen und zum Gebet zusammenzukommen. Er freue sich über Initiativen wie „Night fever“ und über alle Formen regelmäßiger Anbetung und Gebetskreise, die dem Wort Jesu folgen: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“

Das Gebet in den Alltag integrieren

Zugleich will der Erzbischof dazu ermutigen, das Gebet noch mehr zu pflegen und in den Alltag zu integrieren: „Schämen wir uns nicht, Gott in unser konkretes Leben hereinzubitten, dann wird seine Gegenwart uns erfüllen und uns beschenken mit Hoffnung und Zuversicht.“ Aus der Quelle des Gebets werde sich der Glaube vertiefen und sich damit auch die Kirche erneuern, schreibt Erzbischof Gössl.

Gössl bedankte sich für die vielen positiven Gratulationen, die er als Zeichen des Wohlwollens und der Gemeinschaft erfahre. „Gehen wir gemeinsam den Weg in die Zukunft, geführt und geleitet durch unseren Herrn Jesus Christus und in der Kraft des Heiligen Geistes.“ 

Gössl war am Samstag in einem festlichen Gottesdienst im Bamberger Dom ins Amt als Erzbischof eingeführt worden.

Hier kann der Hirtenbrief im Wortlaut herunterladen werden: https://erzbischof.erzbistum-bamberg.de/aktuell/hirtenbriefe/ 

Geschrieben: PM-mdw; veröffentlicht: 5.03.24; Bilder v. webzet (Titelbild ist i.d.R. Symbolfoto); BildNw: WebZ

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8 Gedanken zu “„Mein Gott ist mein Smartphone“

  1. Ich habe nur den einen Gott, den, den auch alle Katholiken anbeten.
    Ein Wischkästla (Handy) besitze ich nicht, da ich, als Programmierer, noch nicht die Zeit hatte das Betriebssystem dafür komplett selbst zu programmieren. Nur so kann man einen Datenabfluß, Spyware, Bundestrojaner oder andere staatliche Spähsoftware ausschließen!

    @Bamberger
    Das sich beim Schreiben ihre Nackenhaare sträuben sei ihnen überlassen. Gut sie sind ein “Aufgeklärter”, aber ist ihre Aufklärung nicht auch ein “Glaube” und damit eine (Ersatz-) Religion? Und gibt es Mißbrauch nicht ebenso bei Aufgeklärten? Der Prozentsatz wird höchstwahrscheinlich gleich sein.

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  2. „Eine Menschheit ohne Gott ist nichts anderes als die Hölle auf Erden.“

    Tja und für viele war die Kirche, die sich anmaßt im Namen eines potenziellen Gottes zu sprechen (als aufgeklärter Mensch sträuben sich da die Nackenhaare beim Schreiben), eben diese Hölle auf Erden. Missbrauch systematisch gedeckt. Andere als von der Kirche propagierte Lebensmodelle ausgeschlossen. Frauen diskriminiert. Und das auch heute noch.
    Mal vor der eigenen Türe kehren, bevor man Menschen erklärt wie man zu Leben hat.

    Wenn das die Antwort auf sinkende Mitgliederzahlen ist, bin ich frohen Mutes, dass sich der Verein bald selbst abgeschafft hat. Statt auf die Lebensrealität junger Menschen einzugehen, verteufelt man sie. Gut so. Weitermachen. So bringt man ganz sicher die Jugend in die Kirchen … nicht.

    Achso wenn man den Gipfel der Doppelmoral sehen will: Der Papst hat einen eigenen Instagramm-Account. Aber bitte nicht anschauen, weil ganz ganz böse. Pfui!

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    1. Die Kirche hat wie jede menschliche Einrichtung Fehler gemacht. Aber wer genau hinschaut sieht, dass die wesentlichen europäischen Werte der christlichen Lehre entspringen. Z.B. unser Grundgesetz.
      Wer glaubt darauf verzichten zu können, weil er/sie sowieso alles besser weiß, wird irgendwann wieder einen Rückfall in die Barbarei erleben.

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      1. Ach das Grundgesetz entspringt der christlichen Lehre?
        Interessante Geschichtsklitterung. Das GG basiert auf den allgemeinen Menschenrechten inkl. Religionsfreiheit übrigens.

        Schauen wir uns das GG mal an:
        Art 3.:
        (1) Alle Menschen sind gleich vorm Gesetz.
        (2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt
        (3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

        Nun da bin ich auf Erklärungen gespannt wie es sein kann, dass das christliche Lehre ist und dennoch verbietet es die katholische Kirche Frauen die gleichen Berufe zu ergreifen wie Männern. Sie diskriminiert Homosexuelle. Sie diskriminiert Andersgläubige indem sie in diversen Einrichtungen nur Katholiken einstellt.

        Ich glaube auf keinen Fall, dass wir aufs Grundgesetz und die Menschenrechte verzichten können. Die katholische Kirche glaubt das allerdings auch heute noch in weiten Teilen. Siehe oben.

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        1. Schon hart, wenn man eine über tausendjährige Entwicklung leugnet. Viele Grundrechte und Gesetze von heute sind den Anweisungen ähnlich, die in den Zehn Geboten stehen. Die Menschenrechte in Artikel 1- 6 GG
          stehen jedem Menschen von Geburt an zu. Vor Gott sind alle Menschen
          gleich wertvoll, seine Ebenbilder, sie sollen in Gerechtigkeit zusammen leben, einander dienen und Nächstenliebe (Solidarität) üben.
          Die Schwächen (Missachtung der Gebote) unserer Vorfahren kann man feststellen und auch kritisieren, aber nicht so tun, als wären wir Menschen heute grundsätzlich besser.
          Das Grundgesetz ist, wie jede Verfassung auch das Ergebnis eines politischen Kompromisses. Deswegen gibt es einerseits den Neutralitätsgrundsatz, andererseits aber einzelne Regelungen, die der realen Entwicklung gerecht werden (sollen).
          Vor dem Grundgesetz sind alle Religionen und Weltanschauungen gleich.

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        2. Klaro, Menschenrechte und abrahamitische Religionen gehen per defintionem nicht so richtig zusammen. “Schlimmer”, wenn man dies so wertend bezeichnen will, treiben die Ungleichbehandlung die Juden und Muslime. Beide Religionen haben keine Reformation, keine Aufklärung und kein 2. Vatikanisches Konzil durchlaufen. Beide anderen abrahamitischen Religionen sind noch a weng mehr “retro” als “unser” Christentum, von den Orthodoxen mal ganz zu schweigen.
          Die Monotheisten sind halt per se schon gefährlicher als irgendwelche Polytheisten, eben wegen des Anspruchs auf alleinige Wahrheit eines einzigen Gottes, den nur sie richtig verstehen und vertreten.

          Aber mal ein fun fact am Rande: Zu Zeiten des vollkommen illegitimen Grundrechtsentzugs haben sowohl alle unsere Verfassungsorgane als auch unsere Kirchen kollektiv und total versagt und sich freudig einer Art evidenzloser und wahnhafter Gesundheitsapartheid angeschlossen.
          Das war doch Jesus, der die Aussätzigen aus dem Tempel gejagt und die Wucherer und Händler geküsst hat…oder war es umgekehrt? 😉

          Ooops, I did it again. Wer jetzt noch glaubt, dass sich unsere Kirchen in Zeiten echter Krisen auch nur einen Deut anders verhalten würden als zu Zeiten des Tausendjährigen Reiches, der hat nix mitbekommen.
          Kurz, die sind alle miteinander keinen Schuss Pulver Wert!

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  3. Das Smartphone ist nicht Gott, sondern der Weg zu dem, was sich als Götze geschaffen und die der Welt dargeboten wird, nämlich das eigene Abbild. Die narzisstisch-histrionische Selbstinszenierung in den (a)sozialen Medien und das ritualisierte gegenseitige “Liken” stellen die Liturgie dieser Religion dar. Dass man selbst wahrgenommen wird von anderen wandelt sich zum greifbaren Beleg des eigenen Seins, ohne den man zu verschwinden fürchtet.
    Das “liken”, ein Wort das mich an gegenseitiges Lecken von Hunden erinnert, muss mit steigender Frequenz wiederholt werden, soll es noch spürbar bleiben.
    Und es bleibt nicht beim eigenen Selbst, das zu Markte getragen wird, sondern in seiner niedrigsten Form erweitert sich das noch auf die Unschuldigen, also die Kinder der nach dem eigenen Bild und dessen Bewunderung Süchtigen.
    Ob es die Hölle gibt weiß ich nicht, aber Dummheit und Ignoranz und Persönlichkeitsstörung gibt es, und diese befördert das Samrtphone wie bisher kein anderes Medium ins Rampenlicht.
    Das war das Wort zum Mittwoch…und nun schnell noch die Ampel auf X beleidigen! 😉

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