Noch ist der Schlachthof nicht verloren

Nicht selten setzt sich machtpolitisches Handeln über sachliche Betrachtung hinweg. Das könnte auch beim Bamberger Schlachthof so sein. So gibt es ein Sachkonzept, das aber kaum jemand kennt.

OB Starke kann qualifizierte Konzepte zur Zukunft des Schlachthofs verschweigen

Vielleicht war die Umwandlung des stadteigenen Betriebs Schlachthof in eine GmbH im Jahr 2021 nur die Vorbereitung für das Ende der Einrichtung. Oberbürgermeister Andreas Starke ist bekannt für politische Winkelzüge. Die Umwandlung der Rechtsform des Schlachthofs brachte – wie man jetzt sieht – keine Vorteile für den Betrieb. Aber für den Oberbürgermeister als Vorsitzender des GmbH-Aufsichtsrats:  Der kann jetzt allein über die Betriebsentwicklung öffentlich berichten. Dafür hat er ein aufgeblasenes Presseamt, das andere Meinungen nicht kennt. Die Aufsichtsratsmitglieder dürfen sich nach GmbH-Recht nicht öffentlich äußern. 

So erfahren Bürger und Bürgerinnen nur sehr wenig über mögliche Alternativen für die Zukunft des Schlachthofs. Der WebZBlog wurde nun ein Zukunftskonzept zur Erhaltung des Schlachthofes zugespielt, das durchaus überzeugend wirkt.

Grundlage ist die  Gründung eines Zweckverbandes oder Genossenschaft mit Stadt und Landkreis Bamberg und angrenzenden Gebietskörperschaften. Dazu könnten die Bauernverbände, Fleischerinnungen und der Einzelhandel (bspw. Rewe, Edeka u.a.) kommen. Auf dieser Basis könnte ein regionales Programm “Franken” entwickelt werden. Dessen Aufgabe sei es, die Landwirte und Schlachtbetriebe zu erfassen und Erfüllen der gewünschten Haltungsformen zu überprüfen. Die Herkunft “Franken” könne damit  nachweislich garantiert werden. EIn “Fleischprüfring” überwacht die Dokumentation und liefert diese verantwortlich an den Schlachtbetrieb. Die Rückverfolgbarkeit der Tiere wird dem Verbraucher durch QR-Code ermöglicht.

Freiwerdende Flächen werden an die Stadt abgegeben

Fachleute sehen fundierte Vorteile des Zweckverbands und des Konzepts “Aus der Region”.  Der Transport von Tieren über große Entfernungen wird vermieden. Durch die tatsächlich regionale Schlachtung wird Stress der Schlachttiere beim Transport real gemindert. Durch weniger Stress erhöht sich die Fleischqualität erheblich. Wirtschaftliche Vorteile bestehen darin, indem Arbeitsplätze erhalten und landwirtschaftliche Betriebe unterstützt bleiben. Die regionale Wirtschaft und damit auch Verbraucherinnen und Verbraucher werden mit Fleisch und Fleischwaren aus eigenem Schlachthof versorgt

Als konkrete Lösungsvorschläge zur Fortführung des Schlachthofs werden genannt: 

  • Einstellung der defizitären Rinderschlachtung 
  • Spezialisierung auf eine optimierte Schweineschlachtung – 
  • Nutzung der freiwerdenden Arbeitszeitkapazitäten durch Aufbau einer Dienstleistung für Schweinefleischzerlegung
  • Die Kombinierung von Schlachtung und Zerlegung gewährleistet eine gleichmäßige produktive Betriebsauslastung
  • Durch zeitversetzte Schlachtung und Zerlegung ergeben sich Freiräume für Reparatur und Instandsetzung
  • Einführung eines Energiekostenmanagements
  • Die Investitionen der letzten fünf Jahre bleiben erhalten

Auch für die Stadt Bamberg ergeben sich Vorteile. Das Verkehrsaufkommen reduziert sich. Im Quartier gibt es weniger Dung- und Geruchsbelästigung. Und schließlich werden freiwerdende Flächen an die Stadt abgegeben. (>vgl. Bild unten).

In seiner Vollsitzung am 20.3.24 soll der Stadtrat über das Ende des Schlachthofs entscheiden.

Geschrieben: -mdw; veröffentlicht: 10.03.24; Titelbild: Stadt Bbg/Sonja Seufferth

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12 Gedanken zu “Noch ist der Schlachthof nicht verloren

  1. Ein Schweine-Campus!
    Das nenne ich mal ein innovatives und zukunftsweisendes Projekt!
    Wenn ich das richtig verstanden habe, dann ist die Idee, dass man, nachdem der Schlachthof geschlossen wird, weil es zu viele Altlasten und Sanierungsstaus gibt und ein Rückbau finanziell nicht tragbar ist, nun auf dem bestehenden Areal die Altlasten und Sanierungsstaus beheben möchte, dazu einen Rückbau durchführt, eine Erweiterung für eine Zerlegeanlage baut und für einen Waschplatz noch ein denkmalgeschütztes Gebäude abreißt. Und weil das ja nun noch teurer wird als die veranschlagten Millionen, welche man für einen Fortbetrieb des Schlachthofes benötigt hätte, und die man nicht stemmen konnte, weil es rechtlich nicht möglich ist, das Projekt durch die Öffentliche Hand zu unterstützen und der Landkreis sich bis dato auch nicht für eine Unterstützung ausgesprochen hat, plant man nun, dass Landkreise, Kommunen, Interessensverbände und der EDEKA, welcher sich gerade ein eigenes Fleischzentrum in Hirschaid baut, das gemeinsam finanziert.
    Und in diesem neuen, kleinen, emissionsarmen Schlachthof sollen dann nicht mehr Schweine aus einem Umkreis von 150km geschlachtet werden, was man dem Bamberger Bürger seit über einem Jahr als „Regional“ verkaufen will, sondern Schweine aus ganz Franken und somit mit Aschaffenburg, aus einem Radius von 140km. Und rechnen soll sich das Ganze, indem man auf bessere und somit teurere Haltungsformen setzt, weil das Volk sehr gerne, trotz Ukrainekrieg, hohen Energiepreisen und Inflation bereit ist, für gesunde und „regionale“ Lebensmittel mehr Geld auszugeben.
    An dem Konzept sollte dringend noch ein bisschen gefeilt werden. So wird es bestimmt kein deutschlandweites Leuchtturmprojekt!
    Es klingt eher danach, als hätte jemand Panik, dass er zukünftig seine Kühlhäuser nicht mehr ausgelastet bekommt. Und der Bamberger Schäufelejunkie feiert den Vorschlag, weil er sich strikte weigert zu verstehen, dass der bisherige Schlachthof nur dazu diente, dass Großkunden billig schlachten konnten und hinten raus die Gewinne einstrichen, während der Bamberger Steuerzahler die Zeche beglichen hat. Und bei dem obigen „Konzept“ Kann ich leider auch keinen Benefit für die Stadt oder den Bamberger Bürger erkennen.

    Wieso ist es nicht möglich, zusammen mit dem Landkreis ein regionales Konzept für die hiesigen Produzenten und Metzger zu erarbeiten. In Bamberg wird nicht ein einziges Schwein gezüchtet und die Metzger machen einen nach dem anderen zu. Bühler, Fischer, jetzt der Böttinger. Die letzten Metzger kann man an einer Hand abzählen und von den legen mehre und darunter auch der größte von Ihnen, keinen Wert mehr darauf, dass ihre Ware aus der Region kommt. Wieso soll die Stadt Bamberg eine Infrastruktur zur Verfügung stellen, mit der der hinterste und letzte Schweinehirte von Aschaffenburg bis Weiden weiterhin seinen gewohnten Stiefel durchziehen kann.
    Ich bin absolut überzeugt, dass es wichtig und richtig ist, für die Stadt und den Landkreis einen Schlachtbetrieb, in welcher form auch immer, von mir aus auch an der Lichtenhaidetrasse, zu betreiben, aber doch nicht noch einmal so ein komplett überdimensioniertes und zum scheitern verurteiltes Projekt, bei dem die Stadt am Ende wieder nur zahlen und die Emissionen aushalten muss!

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    1. Die Frage “Wieso ist es nicht möglich, zusammen mit dem Landkreis ein regionales Konzept für die hiesigen Produzenten und Metzger zu erarbeiten?” gefällt mir. Auch darüber sollte qualifiziert nachgedacht werden. Man sollte da nicht schon wieder gegeneinander arbeiten. Ich wünsche mir, dass der Bamberger Schlachthof erhalten bleibt – auch wenn es nur ein kleiner wird.

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  2. Schöne Vorstellung mit diesem Zweckverband. Nur fehlt ein entscheidendes Puzzleteil: Der Kunde. Es fehlt schlicht die Nachfrage nach so teurem Schweinefleisch. Aber sollen die Bauern mal einen Zweckverband machen. Nach 2-3 Jahren geht dem das Geld aus und dann ist eh Schicht im Schacht. Bauernschlau halt.

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    1. Ach so, der Kunde fehlt. Schon registriert, dass gut 80 Prozent der Deutschen Fleischprodukte essen. (Gut, in den vergangenen paar tausend Jahren waren es mehr.) Oder meinen sie vielleicht, wir könnten dann das Fleisch aus dem Ausland importieren, weil es die Tiere dort besser haben.
      Leben und essen Sie so wie Sie wollen, aber erkennen Sie auch den Lebensstil der anderen an.

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      1. Ja, sie essen Fleisch. Vom A.., vom L…, Billigware.
        Da zählt nur der Preis und nur der. Man glaubt also offensichtlich, dass man den Schlachthof nicht nur regional romantisch, sondern auch noch so wirtschaftlich betreiben kann, dass man das Fleisch bei A… und L… unter bekommt? Da wette ich ein Leberkäsbrötla dagegen!

        https://www.zeit.de/news/2019-02/21/deutsche-kaufen-fleisch-am-liebsten-billig-190221-99-75871

        3/4 der Leute kaufen billig, billig, billig…

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        1. Woher wollen sie denn wissen, wo der Mann (und seine Frau) ihr Fleisch kaufen? Noch bekommt man in Bamberg ordentliche Metzgerware, z.B. bei den Märkten Rewe und Ebl ganz droben am Kaulberg. Mit ihren beiden Beiträgen wollen sie den Fleischgenuss madig machen und die Konsumenten als dumm und geizig hinstellen. Bei den genannten Märkten bekommt man auch a guds Lebäkesbrötla.

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  3. Die SPD scheint ihren Kampf zum Erhalt des Schlachthofs aufgegeben zu haben. Vor kurzen war in der Webz zu lesen, dass der SPD-Stadtrat und Gärtnereibesitzer Sebastian Niedermaier einen Antrag bezüglich der Einrichtung eines Food Campus gestellt hat. Sieht da jemand möglicherweise ein Geschäftsmodell?

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  4. Der Schlachthof hätte schon vor zehn Jahren verkleinert werden müssen. Aber da bekam die Stadt noch Geld von ihrem städteigenen Unternehmen. Indem man sich von Großschlächtern abhängig gemacht hat (um noch mehr Einnahmen zu haben), ist man in die Miesen gerauscht. Spätestens nach Verhängung neuer Arbeitsschutzgesetze wegen der Corona-Krise war der Ofen aus.

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  5. Ein dem Bedarf angemessener Regionalschlachthof könnte die Lösung sein. Warum werden solche Konzeptideen wie hier vorgestellt nicht ernsthaft dikutiert?

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  6. Versteh nicht wieso man an dem Erhalt so festhält. Es wird vielleicht ein paar Monate oder Jahre unter dem genannten Konzept laufen. Und dann kommt das nächste Problem und dann wird das Teil trotzdem an die Wand gefahren. Es ist eine freiwillige Aufgabe der Stadt und keine Pflicht Aufgabe. Ich denke es gibt genug Pflichten die Vorrang haben, da zählt für mich das Millionengrab Schlachthof nicht dazu.

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    1. Da hat er recht, der Joshi.
      Der Schlachthof ist keine Pflicht Aufgabe.
      Symphoniker, Theater, Basketball… auch nicht! (bloß als Beispiel)
      Die regionale Lebensmittelversorgung sicher zu stellen, sollte bei einer weitsichtigen Stadtführung oberste Priorität haben.
      Das ist auch ein Alleinstellungsmerkmal!

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      1. Korrekt! Wenn ich mir bloß das absolute Existenzminimum als Ziel setze, dann lande ich irgendwann auch dort, also auf dem Niveau eines mittelprächtigen Schwellenlandes. Dem nähern wir uns dank Merkel und beschleunigt durch die Ampel bendenklich.
        Eine prosperierende Industrienation, die wir mal waren und gerne wieder werden würden, ist schon mit einigem Luxus ausgestattet. Klar, der fehlt dann vielleicht anderswo auf der Welt, mag der Sozialist ökologischer, marxistischer oder sonstiger Couleur monieren, aber so ist das halt. Und nein, wir geben unseren “Luxus” nicht kampflos auf! Das werden die entsprechenden Kräfte an den Wahlurnen sehen.

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