Arbeit für Geflüchtete läuft schleppend an

Asylbewerber sollen schneller in Arbeit gebracht werden – der Landkreistag fordert sogar eine Arbeitspflicht. Memmelsdorf hat einen Antrag auf Beschäftigung von Geflüchteten gestellt.

In Oberfranken sind die Gemeinden noch zurückhaltend

Der Deutsche Landkreistag hat vor einigen Wochen strengere Regeln für das Bürgergeld und eine Arbeitspflicht für Geflüchtete gefordert. In der Bundesregierung hat man sich bei der Beschäftigung von Geflüchteten aufgeschlossen gezeigt. Die bayer. Staatsregierung informierte die Gemeinden über eine “Arbeitsgelegenheit nach dem Asylbewerberleistungsgesetz”.

In Oberfranken sind 14.400 Flüchtlinge registriert (Stand: 21.05.24 – ohne Ukraine-Kriegsflüchtlinge). Laut einem Bericht von BR24 (12.6.24) zeigen aber erst wenige Gemeinden und Städte in Oberfranken Interesse daran, Geflüchtete gemeinnützig zu beschäftigen. Unter anderem schreckt die Bürokratie ab, aber auch die fehlende Betreuung für Asylbewerber, die angelernt werden müssen. Auch die Nachfrage von Seiten der Geflüchteten ist gering. Aktuell gehen rund 3.500 Asylbewerber bayernweit einer Arbeitsgelegenheit nach.

Eine “Arbeitsgelegenheit nach dem Asylbewerberleistungsgesetz” könnten sich theoretisch viele Gemeinden, Städte, aber auch Vereine in Bayern vorstellen. Seit Februar 24 gilt ein neues Gesetz, das die gemeinnützige Arbeit von Asylbewerbern anschieben soll. Doch die Scheu vor Sprachproblemen, dem bürokratischen Aufwand und vor allem das fehlende Personal, das die Asylbewerber betreuen könnte, lässt in Oberfranken viele Verantwortliche zurückschrecken.

“Die sind wie ein Praktikant”

BR 24 berichtet über zwei Gemeinden im Landkreis Bamberg, die dafür überhaupt Interesse beim Landratsamt bekundet haben. Zwei Syrer aus Scheßlitz sollen sich beim Bauamt vorstellen. Auch Memmelsdorf hat einen Antrag auf Beschäftigung eines sog. Arbeitsgelegenheitsnehmers gestellt. Der Memmelsdorfer Bürgermeister Gerd Schneider möchte hier ein Zeichen setzen: “Schau mal, die wollen schon arbeiten, wenn man ihnen Arbeit anbietet. Die lungern nicht nur rum”, wird Schneider zitiert. Dafür jedoch müssten nun auch Asylbewerber aktiv werden und sich um Arbeit bemühen.

Sprachbarrieren oder einen Personalengpass sehe Schneider für seine Gemeinde nicht, heißt es im BR24-Artikel. “Die laufen halt mit. Die sind wie ein Praktikant. Ich habe einen Iraker beschäftigt. Das klappt gut. Ich habe eine Ukrainerin beschäftigt und das läuft super. Also gebe ich jetzt anderen Asylbewerbern eine Chance. Er sehe darin auch ein Zeichen der Integration und gegen Ausländerhass, meint Schneider.

In Memmelsdorf wurde erst im Januar eine Notunterkunft für 150 Menschen eröffnet. Im Landkreis und der Stadt Bamberg (Ankerzentrum) sind insgesamt derzeit (Stand: 21.05.24) rund 6.400 Geflüchtete untergebracht. Ende Februar standen nach einer BR24-Abfrage 167 Arbeitsgelegenheiten in Oberfranken in den Unterkünften zur Verfügung. 69 davon im Ankerzentrum selbst, 87 in den Gemeinschaftsunterkünften, neun in dezentralen Unterkünften und zwei bei kommunalen Trägern.

> umfangreicher Bericht bei BR24

Geschrieben: -mdw; veröffentlicht: 12.06.24; Bilder v. webzet (Titelbild ist i.d.R. Symbolfoto); BildNw: WebZ

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10 Gedanken zu “Arbeit für Geflüchtete läuft schleppend an

  1. Die höchste Form der Bürokratie ist das Festhalten am schnöden Büro. Man sehe sich nur die Begrifflichkeit genauer an. Eine bürokratischere Denke gibt es nicht. Solange die Mentalitäten so sind, wird sich auch an den Verästelungen jener Bürokratie wenig ändern, zu denen gehört, Leute aus dem Nicht-EU-Ausland in Arbeit zu bringen.

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    1. Yagababa dribbelt souverän auf das Tor zu, lässt ihre erstaunten Mannschaftskamerad$%Innen zurück, der Gegner staunt. Sie ist allein vor dem Tor, zieht durch und trifft mit gewohnter Sicherheit ins obere rechte Eck! Unhaltbar für den Torhüter! Tor! Tor! Eigentor…

      Bürokratie, vom bureau (franz), also dem Schreibtisch oder dem Arbeitszimmer oder der Schreibstube aus zu herrschen. Was konkret soll denn da das heimische bureau (Schreibtisch, Arbeitszimmer) an merkelschem oder ampeligem Irrsinn wie Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, Demokratiefördergesetz, Gebäudeenergiegesetz, Selbstbestimmungsgesetz ändern? Die Genies, die diesen und anderen Unsinn verzapft haben, taten dies zu großem Teil vom Daham-Büro aus ohne Rückmeldung von Kollegen und ohne jede Erdung, was für einen unsagbaren Mist sie produzieren.

      Und ja, lassen wir die angesprochene Problemgruppe, die auch in ihrer Muttersprachen einen hohen Anteil von Analphabeten hat von daham arbeiten…also ich meine von wirklich daham. 😉

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      1. Es erstaunt mich immer wieder, werter Mitforist Bergradler, wie Sie sich vom Paulus zum Saulus in solchen Themen gewandelt haben. Ich erinnere mich noch zu gut, wie ich anno 2015ff hier auf dieser Plattform meine Bedenken zur ganzen Malaise kund tat und Sie mich vehement versuchten, vom Gegenteil zu überzeugen.

        18 Monate noch, eher etwas weniger, dann hat dieser Spuk endlich ein Ende.

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  2. “Die sind wie ein Praktikant.” Aber halt wie einer, der weder Deutsch lesen noch schreiben noch sprechen kann, von der restlichen Bildung ganz zu schweigen. Die Möglichkeiten sind stark eingeschränkt, außer wir kehren wieder zum Beruf des Gemeindehirten zurück.
    Und diejenigen, die seit 2015 oder länger hier rumlaufen, Deutsch kaum radebrechend sprechen und immer noch nicht arbeiten, die werden wir auch nicht in Arbeit kriegen. Warum sollte da die Übergangswahrscheinlichkeit höher sein als bei “unseren” Langzeitarbeitslosen? Im Gegenteil, ich glaube sie ist noch niedriger.
    Warum in solchen Fällen nicht die Aufenthalte beendet werden, erschließt sich mir nicht. (Der Krieg in Syrien z.B. ist durch, Assad hat 85% in der Hand.) Vielleicht könnte diese Sanktion die Motivation zu Spracherwerb und Arbeit steigern.

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  3. Die Einwanderungspolitik muss von zwei Eckwerten ausgehen: Die Einwanderung qualifizierter Fachkräfte ermöglichen, bei der Aufnahme von Asylsuchenden auf berechtigte Gründe achten.

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  4. An die ganzen bisherigen Kommentatoren:
    Für Personen im Asylverfahren ist es wirklich verdammt bürokratisch mit einem Job zu beginnen. Und von den Fachkräften gibts tatsächlich ne Menge. Ohne die könntet ihr im Supermarkt nix einkaufen, auf den Straßen wären keine Lkws mehr, eure Eltern oder sogar ihr werdet nicht mehr gepflegt, im Krankenhaus ist auch nix mehr los. Bitte all das nicht mehr in Anspruch nehmen 🙂

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  5. Langsam setzt sich nun wohl doch die Erkenntnis durch, dass ein Großteile unserer ausländischen Fachkräfte eher Talente haben, die hier nicht so wirklich gefragt sind…

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  6. Man mag gar nicht glauben, wie schwierig es ist, die Leute in eine Arbeit zu bringen (Orginalbericht). Auf der einen Seite ist der bürokratische Aufwand und auf der anderen Seite, dass die Flüchtlinge zu einem beträchtlichen Teil auch nicht wollen.

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  7. Es wird Zeit, dass so ein Konzept umgesetzt wird. Aber die Leute sind meistens nur für einfache Arbeiten geeignet. Von wegen qualifiziertes Personal für die deutsche Wirtschaft.

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